Wir haben es schriftlich: Deutschland hat gerade den wärmsten Winter aller Zeiten erlebt, auf Helgoland stiegen die Temperaturen höher als an der französischen Mittelmeerküste. Dafür gab es viel mehr Regen als sonst. Die drohende Klimakatastrophe, von der schon so lange die Rede ist, wird also immer realer. Nicht mehr lange, und vor allem in Afrika und Asien werden Milliarden Menschen verhungern und verdursten. Um den anhaltenden Hitzewellen, Bränden und Dürren zu entfliehen, werden sie in Europa und Nordamerika neue Lebensräume suchen. Doch steigt der Meeresspiegel durch die Erderwärmung stetig an, so dass unsere Küstenstädte und Inseln früher oder später versinken. Es wird also eng werden bei uns. Staub und Abgase werden noch mehr zunehmen; 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten, die wir heute kennen und lieben, wird es einfach nicht mehr geben.
Das klingt alles sehr bedrohlich, und es ist vermutlich noch wesentlich bedrohlicher, als es klingt. Es ist aber noch nicht zu spät. Noch können wir etwas tun. Ich persönlich habe zumindest nicht die Absicht, mich jetzt schon jammernd in die Ecke zu setzen und den bevorstehenden Untergang meines Planeten zu beklagen. Es bringt auch nichts, Politikern und anderen Nationen Vorwürfe zu machen. Solche Schuldzuweisungen bewirken höchstens, dass man sich hinterher fühlt, als könne man selbst eben gar nichts an dem drohenden Unheil ändern, und das ist nicht wahr. Wir können sehr wohl etwas ändern. Ich, für meinen Teil, habe bereits damit angefangen, und vielleicht fühlen Sie sich von meinem Beispiel ja inspiriert. Energie zu sparen ist das allerwichtigste. Bei mir zu Hause sind sämtliche Glühbirnen mit Energiesparlampen ersetzt worden. Die sind zwar in der Anschaffung teurer, halten aber zehn Mal länger. Bengalische Beleuchtung, wie meine Mutter das so gern nannte, gibt es bei uns trotzdem nicht. Wer ein Zimmer verläßt, schaltet hinter sich das Licht aus (wehe, wenn nicht!), und wer abends noch am Schreibtisch arbeitet, braucht dazu nur das Licht der Schreibtischlampe. Es müssen nicht noch drei weitere Lampen brennen, und Fernseher und Stereoanlage laufen auch nicht „nebenbei“.
Um Heizkosten zu sparen, habe ich alle Fenster und Türen bestens isolieren lassen. In den Wintermonaten werden nur die Räume beheizt, die auch wirklich benutzt werden, und die Zimmertüren bleiben möglichst geschlossen, damit nicht unnötig Wärme entweicht. Ein paar Minuten kräftig zu lüften ist sehr viel energiefreundlicher, als ein Fenster über Stunden angeklappt zu lassen, und selbstverständlich hängen vor meinen Heinzkörpern weder Gardinen, noch Vorhänge. Ich koche in Edelstahl- und Aluminiumtöpfen - immer mit Deckel! -, und ich benutze so wenig Wasser wie eben möglich, um die Kochzeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Der Backofen ist ausschließlich für Gerichte, die ich bei bestem Willen nicht in der Pfanne zubereiten kann, und ich bemühe mich, den Ofen, wenn ich ihn benutzen muss, nur kurz vorzuheizen.
Kühlschränke sind eine Sache für sich, gerade, wenn man Kinder hat. Es gilt, den lieben Kleinen beizubringen, sich vorher zu überlegen, was sie haben wollen, damit sie es dann nur noch herausnehmen müssen. Es ist nicht erforderlich, die Kühlschranktür aufzureißen und dann unentschlossen die Blicke schweifen zu lassen, bis die Pinguine schellen, weil es in Mutters Küche so angenehm kühl ist. Der Kühlschrank muss auch nicht so kalt eingestellt sein, dass man Frostbeulen bekommt, wenn man einen Joghurt herausholt. 8 Grad reichen. Hat das Gefrierfach eine Eisdecke von mehr als 1 cm, muss abgetaut werden. Ich taue fast alle Gefrierwaren im Kühlschrank auf, weil sie die Kälte dann automatisch an die anderen Lebensmittel abgeben. Kochwäsche gibt es bei mir schon lange nicht mehr, denn mit den heutigen Waschmitteln werden die Sachen auch bei 30 oder 40 Grad sauber. Und der Trockner ist nur noch für den Notfall. Bei mir kommt die Wäsche auf die gute, alte Leine, dann duftet sie hinterher viel besser, fühlt sich viel besser an, und zur körperlichen Ertüchtigung trägt das Wäschehängen auch noch bei.
Dass ich mich liebend gern bewege, wissen Sie ja schon. Es ist aber nicht nur für Ihren Körper gut, wenn Sie öfter mal wieder zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Sie helfen damit auch Mutter Natur. Wenn man mit dem Auto fahren muss, sollte man sich bemühen, auf einem Weg möglichst viel zu erledigen. Und für jeden, der Kinder hat, sind Fahrgemeinschaften ein Segen. Sie sparen nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch viel Energie. Sie denken vielleicht, dass das alles nur Kleinigkeiten sind, und das stimmt sogar. Es ist eine Kleinigkeit, den Müll zu trennen, wie es eine Kleinigkeit ist, während des Zähneputzens nicht die ganze Zeit das Wasser laufen zu lassen. Nur wenn wir uns alle an diese Kleinigkeiten gewöhnen, wird das auf Dauer grosse Wirkung haben, und das ist dann unser Verdienst. Dann können wir Ansprüche stellen.
Ich meine, wer Mutter Natur entlastet, sollte von Vater Staat nicht dafür bestraft werden. Es kann doch nicht angehen, dass Bio-Produkte teurer sind als die anderen. Es darf doch nicht sein, dass wir uns für umweltfreundliche Autos entscheiden, in Berliner Regierungskreisen aber keiner bereit ist, auch nur auf einen kleineren Dienstwagen umzusteigen – von Hybrid wollen wir da mal gar nicht erst reden. Ein paar erste Schritte in die richtige Richtung sind aber offenbar geplant. Autos mit umweltfreundlichen Wasserstoff-, Strom- und Hybrid-Motoren sollen in den nächsten Jahren von der Steuer befreit werden und kostenlos parken dürfen. Man will sich wohl auch intensiver mit alternativer Stromerzeugung befassen, mit Solaranlagen, Windkrafträdern und Wärmepumpen.
Und ich möchte hier noch einen Vorschlag machen: Wie wäre es mit kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln? Wer für Bus und Bahn nicht zahlen muss, lässt das Auto gleich viel lieber zu Hause in der Garage. Die Luftverschmutzung würde insbesondere in den Städten dramatisch reduziert, die Menschen würden wieder mehr laufen, das Leben wäre wieder etwas ruhiger. Ein schönes Bild und eine von vielen Möglichkeiten, unsere Welt zu retten. Schlimm genug, dass das nötig ist.